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Doris BARIÈEVIÆ,
Propovjedaonica u obliku ribe u Lovreèkoj Varoši.
Str. 177-204.
Sažetak
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Zusammenfassung:
Die
Walfischkanzel in Lovreèka Varoš.
In der Kirche des hl. Laurentius
in Lovreèka Varoš im nord westlichen Kroatien befindet sich eine
interessante Walfischkanzel. Diese Kanzel in der Form eines
großen Fisches über dessen weitgeöffnetem Rachen der Prophet
Jonas schwebt, stellt auf sehr eindringliche Weise die bekannte
biblische Legende von der Rettung des Propheten aus dem Leibe
des Walfisches dar. Der Kopf des Walfisches mit seinen
menschenähnlichen großen Augen hat ausgesprochen anthropomorphen
Charakter. Der mit regelmäßigen Schuppen bedeckte Körper des
Fisches erstreckt sich auf die Brüstungswand der Treppe. Statt
der sonst üblichen Ornamente sind Kopf und Körper des Walfisches
mit der Natur nachgebildeten Steinen und langen schmalen
Blättern umgeben. Über der einfachen Rückwand erhebt sich der
wolkenumsäumte Schalldeckel, über welchem auf einem von
tellerartigen Wolken verdeckten Postament der Prophet Jonas
kniet.
Nach den spärlichen
archivalischen Quellen wurde die Kanzel im Jahre 1780
aufgestellt. Durch ihr außergewöhnliches ikonographisches
Programm und realistische Darstellung unterscheidet sich diese
Kanzel wesentlich von allen anderen Kanzel des 18. Jahrhunderts
in Nordwest-Kroatien, für welche ihr architektonisch-plastischer
Charakter kennzeichnend ist, während in ikonographischer
Hinsicht die allegorischen Motive überwiegen. Bei der
Walfischkanzel in Lovreèka Varoš wird die Tektonik der
Konstruktion fast ganz durch die realistische Darstellung des
Fisches verdrängt. Ebenso verdecken am Schalldeckel die
aufgeschichteten Wolken dessen konstruktive Teile und auch das
Postament, auf welchem der Prophet kniet. Statt der sonst
üblichen vergoldeten Ornamente finden wir hier Steine und
Pflanzengebilde, die an Meergras erinnern.
In ikonographischer Hinsicht ist
die Kanzel in Kroatien eine Seltenheit, da man
Jonasdarstellungen hier nur äusserst selten findet (Trema,
Selnik). Charakteristisch ist, auf welche Weise hier eine
einzelne Stelle aus der Bibel isoliert und monumentalisiert und
mit die Natur nachahmendem Gestein und pflanzlichen Motiven
umgeben wird. Diesen Merkmalen nach gehört die Walfischkanzel in
Lovreèka Varoš einem besonderen Kanzeltypus an, welcher sich im
Laufe des 18. Jahrhunderts in West- und Mitteleuropa entwickelt
hat.
Der neue Kanzeltypus entsteht um
1700 in den katholischen Provinzen der Niederlande. Zum
Unterschied von den bis dahin vertretenen s. g. “allegorischen
Kanzeln” entsteht ein neuer Typus bei welchem Szenen aus der
Bibel vollplastisch dargestellt und von einer realistischen
landschaftlichen Szenerie umgeben werden. Diesen Merkmalen
verdankt dieser Kanzeltypus in der Literatur die Bezeichnung
“Naturkanzel”. Es muss jedoch betont werden, dass die Elemente
aus denen die Sonderform der Naturkanzeln zu Beginn des 18.
Jahrhunderts gebildet wurden schon im Manierismus vorgebildet
waren, wo sie hauptsächlich in der profanen Kunst ihre
Verwendung fanden.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts
dringen die Naturkanzeln nach Mitteleuropa vor, wo sie jedoch
nur selten vorkommen. Es entwickeln sich hier zwei neue
Varianten dieses Kanzeltypus, die s. g. Schiffskanzel, welche
hauptsächlich in Süddeutschland und Österreich vertreten ist,
aber in einzelnen Beispielen auch in Schlesien, Polen und Ungarn
vorkommt, und die s. g. Walfischkanzel, welche nur in Schlesien
und Böhmen in wenigen Beispielen anzutreffen ist. Zum
Unterschied von den flämischen Naturkanzeln bei denen sich
die biblischen Szenen am Kanzelfuß befinden, ist bei den
Naturkanzeln Mitteleuropas der Kanzelkorpus selbst als Schiff,
beziehungsweise als Walfischrachen gebildet, in welchem der
Prediger steht. Außerdem sind die Naturkanzeln Mitteleuropas
gefasst und teilweise vergoldet, während die flämischen Kanzeln
in natürlichen Holzton belassen sind.
Die Walfischkanzel in Lovreèka
Varoš schließt sich an die böhmischen Naturkanzeln dieses Typus
an (Bošilec, Kratonohy, Mnichovice). Ihr anonymer,
wahrscheinlich einheimischer Meister war jedoch eugenscheinlich
dieser schwierigen Aufgabe nicht gewachsen. Statt der
vollplastischen Darstellung des Walfisches wie man sie bei den
böhmischen Kanzeln findet, ist bei der Kanzel in Lovreèka Varoš
der flächig behandelte Fisch auf die übliche Kanzelkonstruktion
appliziert. Auch das Gestein und die Vegetation sind nicht
getreu der Natur nachgebildet, sondern stilisiert. Während man
ähnliche Anhäufungen von Steinen auch sonst an einigen Kanzeln
dieses Gebietes antrifft, scheinen die langen, schmalen Blätter
welche bei der Walfischkanzel das Gestein und den Fisch
umspielen, eine Erfindung des anonymen Meisters zu sein. Das
Motiv findet sich im nordwestlichen Kroatien sonst nur noch
einmal - an der Kanzel und dem Taufbecken der Pfarrkirche in
Zabok aus dem Jahre 1786. Anscheinend handelt es sich hier um
Werke derselben Werkstatt, vielleicht sogar desselben Meisters
wie bei der Walfischkanzel in Lovreèka Varoš.
Die Walfiskanzel in Lovreèka
Varoš ist im Südosten Europas das einzige Beispiel einer
Naturkanzel. An sich eine Seltenheit, ist sie auch deshalb
interessant, weil sie darauf hinweist, dass man im
nordwestlichen Kroatien auch mit künstlerischen Einflüssen aus
Böhmen rechnen muss.
Übersetzung:
Doris Barièeviæ.
(Objavljeno u
knjizi „Spomenica
župe Sv. Lovre u Lovreèkoj Varoši“,
2006.)
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