Dr. Doris BARIÈEVIÆ,
Propovjedaonica u Remetincu - djelo pavlinskog kipara.

Str. 115-134.


Sažetak

Propovjedaonica u Remetincu  nastala je 1710. godine kao donacija pukovnika Pavla Pataèiæa od Zajezde za tadanju franjevaèku crkvu i jedna je od najveæih i najvrednijih propovjedaonica tog razdoblja u sjevernoj Hrvatskoj. Glavna joj je vrijednost u kipovima koji su, uokvireni bujnom ornamentikom akantusovog lišæa i girlandama od cvijeæa i plodova, koncentrirani na govornici. Tu u nišama izmeðu tordiranih stupova stoje likovi Krista i èetiriju evanðelista u živo pokrenutom kontrapostu koji je podcrtan naborima odjeæe i valovitim rubovima plašteva. Po tipologiji lica i tretmanu nabora ti kipovi iz Remetinca djelo su nekog istaknutog kipara i jedine paralele imaju u pavlinskoj crkvi sv. Marije u Olimju na propovjedaonici i oltaru sv. Marije. Vrlo je vjerojatno da se tu radi o jednom od pavlinskih kipara za sada nepoznata imena, ali velike izražajne snage, kojom se istièe nad pokrajinskim kiparima sjeverne Hrvatske.

Kljuène rijeèi: Remetinec, Olimje, propovjedaonica, ornamentika akantusa, pavlinski kipar.

 

Zusammenfassung: Die Kanzel in Remetinec.


Die im Jahr 1710 vollendete Kanzel in der Kirche des ehema­ligen Franziskanerklosters in Remetinec zählt zu den grössten und schönsten Kanzeln dieses Zeitraums in Nordwestkroatien. Der plastische polygonale Korpus mit seinen schmalen, muschel­bekrönten Nischen zwischen den gewundenen Ecksäulen ist reich mit üppigem Akanthuslaubwerk verziert. Der untere Ab­lauf ist wie eine Muschel geformt und wird von schmalen, ge­schwungenen Volutenbändern begleitet, zwischen denen Gir­landen aus Blättern und Früchten an Ringen aufgehängt sind. Die Nischenumrahmungen bestehen aus Girlanden von Grana­täpfeln, welche sich auf spiralig eingerollte Akanthusblätter he­rabsenken. Die Verbindung zu dem schweren Schalldeckel mit kuppelartigem Aufbau stellt eine von Akanthusranken flankierte Rückwand her deren Türe mit einem auf Holz gemalten Bild der Muttergottes geschmückt ist.

Der figurale Schmuck der Kanzel ist auf den Korpus kon­zentriert in dessen Nischen die vier Evangelisten zu beiden Seiten von Christus in der Mittelnische stehen. Es sind ausdrucksvolle Gestalten, welche mit lebhaften Bewegungen aus den Nischen heraustreten und sich an den Beschauer wenden. Die schlanken, schmalen Körper in betonten Kontrapoststellun­gen werden von ihren Symbolen begleitet. Unter den fülligen Stoffen der Gewänder zeichnen sich die Wölbungen des Kör­pers und die Formen des Spielbeins ab. Die parallelen Falten­züge der Gewänder werden von schmalen, scharfkantigen oder gerundeten Graten diagonal unterteilt. Am unteren Saum rollen sich die Falten in tüten- oder glockenartigen Gebilden ein. Die schweren Umhänge bauschen sich in kraftvollen Faltenzügen und bilden mit ihren wellenförmig bewegten Säumen den un­ruhigen, ausladenden Umriss der Figuren. Die kleinen Köpfe mit klar geschnittenen Gesichtszügen unter dem gescheitelten oder schräg in die Stirn fallenden Haar zeigen einen ruhigen, fast heiteren Ausdruck.

Die Kanzelfiguren unterscheiden sich durch ihre plastische Fülle und Ausdruckskraft, sowie durch den ornamentalen Umriss der Gewänder wesentlich von der altertümlichen Manier der gleichzeitigen volkstümlichen Werkstätten und weisen durch die Qualität und Präzision der Schnitzkunst auf einen viel fort­geschritteneren Meister hin. Der Stifter der Kanzel, Oberst Paul Pataèiæ, Mitglied einer weitverzweigten kroatischen Adels­familie welche in Remetinec in der reich stukkierten Kapelle des HI. Antonius von Padua ihre Gruft hatte, muss sich an einen der besten Künstler jener Zeit in Kroatien gewandt haben.

Von der Persönlichkeit des Bildhauers ist nichts bekannt. Typologisch schliessen sich an die Kanzel, von Remetinec nur sehr wenige Werke an, die sich alle in der Kirche des ehemali­gen Paulinerklosters in Olimje befinden. Es handelt sich dabei um die Kanzel und den Marienaltar von 1712. Die Kanzel in Olimje scheint etwas älter zu sein a1s die in Remetinec, ihre Linien sind strenger, aber die sich frei in ihren Nischen bewegenden Evangelistenfiguren, ihre Gesichtszüge sowie ihre Haar- und Gewandbehandlung mit den welligen Säumen könnten den Figuren der Kanzel in Remetinec als Vorbild gedient haben. Dazu gesellen sich auch noch einige Figuren auf dem Ma­rienaltar und dem Nebenaltar des hl. Thomas, Die charakteristischen Merkmale der Figuren des Marienaltars und seine reiche Akanthus­ornamentik stehen in Verbindung mit einer herausragenden Paulinerwerkstatt, die in Olimje, Svetice und Sisak tätig war. Es erscheint daher als wahrscheinlich, das der anonyme Meister der Kanzel in Remetinec mit den Meistern dieser Werkstatt in Verbindung ge­standen hatte, deren Heiligentyp er in mehr barock bewegter Form anwandte.

Die Tatsache, dass das erhaltene Hauptwerk dieses ano­nymen Bildhauers sich in einer Klosterkirche der Pauliner be­findet, lässt vermuten, dass es sich um einen Künstler des Paulinerordens handelt, da diese bekanntlich hauptsächlich Künstler und Handwerker aus ihren eigenen Reihen mit der Ausfüh­rung des künstlerischen Inventars ihrer Kirchen und Klöster betreuten. Sein Namen wird in den archivalischen Quellen der kroatisch-slawonischen Ordensprovinz nicht erwähnt.

Der besondere Wert der Werke dieses anonymen Bildhauers des Paulinerordens beruht auf der Eigenständigkeit der Typisie­rung, der Sicherheit der Proportionen und der Unmittelbarkeit der Bewegungen, sowie dem ornamentalen Dynamismus der Umrisslinien. Das plastische Volumen der einzeinen Figur und die Suggestionskraft der Bewegung ordnen sich der formalen ldee des Ganzen unter. Die weichen, welligen Säume und Bau­sche sind gegen glatte Wölbungen des Körpers gesetzt, während die motorische Kraft dieser Körper auf die eingerollten Ränder der Gewänder übertragen wird. Dadurch wird eine stärkere Verbindung der Figuren mit dem architektonischen Gerüst bewirkt und der ikonographische Gehalt betont. Mit der natürlichen und gleitenden Bewegung der Körpers sind die Gesten der feinen Hände und der Ausdruck der Gesichter in Einklang gebracht, sie ergänzen und erklären sich gegenseitig.

Zu den traditionsgebundenen, oft rustikalen Werken der zeitgenössischen provinziellen Bildhauer in Nordwestkroa­tien steht sein Stil in starkem Gegensatz.

 

(Objavljeno u zborniku  „Pataèiæi od Zajezde i crkva u Remetincu“, 2006.)